Die Veränderung limitierender
Glaubenssätze auf der Rose der Erkenntnis

Lektion 1: Die logischen Ebenen der Veränderung nach Robert Dilts

In diesem Abschnitt lernst du das vielleicht wichtigste NLP-Modell kennen: Die logischen Ebenen der Veränderung, auch psychologische Ebenen oder neurologische Ebenen genannt. Es stammt von Robert Dilts, einem der international bedeutsamen Autoren und Weiterentwicklern des NLP. Wir stellen zunächst einmal sein Modell vor, welches dem Schul-NLP entspricht, wie es in den meisten Instituten gelehrt wird. Anschließend werden wir dich mit unserer Weiterentwicklung der logischen Ebenen vertraut machen.

Robert Dilts bezieht sich auf die Lerntheorien von Gregory Bateson, der einer der geistigen Väter des NLP war und bereits 1964 die sogenannten „logischen Kategorien des Lernens“ dargestellt hat. Bateson untersuchte, unter welchen Bedingungen aus mechanischem Lernen – also: Reiz → Reaktion – ein Lernen höherer Ordnung werden kann. Wie, so seine Fragestellung damals, werden Ableitungen, Verallgemeinerungen, die Anwendung eines Lernstoffes auf verschiedene Kontexte möglich? Er stellte sozusagen eine „Lernhierarchie“ auf (ausführlich: Bateson, 1981, S. 389).

Das Modell von Robert Dilts

Robert Dilts nahm die Lernkategorien Batesons als Grundlage für sein Modell der logischen Ebenen. Er sagt: „Das Gehirn ist wie praktisch jedes biologische oder soziale System in Form von Ebenen organisiert“ (Dilts, 2002, S. 15 ff.).

Diese Ebenen sind nach Dilts hierarchisch gegliedert und heißen:

Spiritualität

Identität

Werte und Glaubenssätze

Fähigkeiten

Verhalten

Umgebung

Der Effekt jeder Ebene ist es, die Informationen auf der darunterliegenden Ebene zu organisieren. Ändert man etwas auf einer höheren Ebene, ändert dies notwendigerweise die Dinge auf den Ebenen darunter; umgekehrt muss eine Änderung auf einer unteren Ebene eine darüberliegende Ebene nicht beeinflussen.

Beispiel:

Die Aussage „Ich kann nicht Radfahren“ basiert auf dem Jetzt und hat mit einer fehlenden Fähigkeit zu tun. Der Glaube an diese Aussage ist also, bezogen auf das Jetzt, angemessen und nützlich. Radfahren zu lernen (also die Fähigkeit zu erlangen) wird daher „automatisch“ zu einem anderen Verhalten – zum Radfahren – führen.

Die Aussage „Ich kann nicht Radfahren lernen“ ist dagegen eine Konstruktion der Zukunft, die auf einer (zumeist) nicht überprüften Vorannahme beruht. Hier handelt es sich also um einen Glaubenssatz. Das bedeutet: Ohne die Veränderung des Glaubenssatzes macht die Arbeit auf der Fähigkeitenebene keinen Sinn.

Die Ebene Umwelt umfasst den gesamten Lebenskontext, das Wo und Wann unserer Erfahrung – alles, was der Mensch außerhalb seiner selbst mit seinen Sinnen wahrnimmt, woauf er reagiert oder was er selbst beeinflusst. Jedes Verhalten geschieht in einer bestimmten Umwelt. Gelegentlich gelingt es, ein Problem schon mit einer Veränderung in der Umwelt zu lösen, zum Beispiel Büros menschenfreundlicher zu gestalten und damit die Motivation zu fördern.

Umwelt kann mit den Fragen Wo?, Wann?, Wer?, Mit wem? in Erfahrung gebracht werden.

Verhalten beschreibt bei Dilts, was der Mensch macht, also alle Aktionen und Reaktionen einer Person, die von außen sinnlich wahrnehmbar sind, zum Beispiel Bewegungen und Handlungen, Worte und auch so subtile Hinweise wie Tonfall, Mimik, Gestik oder Atmung.

Die Frage, die hier gestellt wird, lautet: Was wird getan? Was tust du genau?

Fähigkeiten sind nach Dilts das, was der Mensch kann. Fähigkeiten sind Programme, um Ziele zu erreichen.

Die Frage lautet: Wie genau tust du es? Was kannst du, damit du es tun kannst?

Mit Werten und Glaubenssätzen sind innere Kriterien gemeint, die höchsten Überzeugungen, die dem Handeln zugrunde liegen. Leitideen, die Menschen für wahr und für die „Erlaubnis“ oder das „Verbot“ halten, bestimmte Fähigkeiten zu erwerben und in Verhalten umzusetzen. Damit fördern, behindern oder generalisieren sie eine Strategie, einen Plan oder eine Denkweise. Glaubenssätze sind Interpretationen aus früheren Erfahrungen. Sie werden (fast immer) mit der „Wahrheit“ gleichgesetzt; doch sie sind sehr relativ.

Als Werte werden Kriterien bezeichnet, deren Erfüllung für die Person eine besondere Bedeutung hat. Sie bilden die Motivation oder Triebkraft für das Verhalten und die angestrebten Ziele im Leben. Beispiele für Werte sind: Liebe, Anerkennung, Altruismus, Leistung.

Typische Fragen für die Ermittlung von Werten sind: Wofür? Was ist daran wichtig?

Die Ebene der Identität vereinigt nach Dilts das Glaubenssystem eines Menschen zu einem grundlegenden Selbstbild. Sie ist die Interpretation zahlreicher vorausgegangener Interpretationen von Erfahrungen. Die Identität kann auch als besonderer Glaubenssatz gedacht werden: ein Glaubenssatz, den der Mensch auf sich selbst anwendet.

Die dazugehörige Frage lautet: Wer (bin ich, bist du, wenn diese Glaubenssätze/Fähigkeiten gelebt werden)?

Und schließlich die Spiritualität: Auf dieser „letzten“, wichtigsten und überindividuellen Ebene stellt der Mensch metaphysische Fragen: Was ist mir im Leben wichtig? Wozu bin ich da? Was ist mein Lebensauftrag?

Menschen, die ihr Bewusstsein auf diese Ebene richten, fühlen sich anderen Menschen, der Menschheit, der Natur, einer umfassenden Idee, einem größeren Ganzen (für manche ist das: Spirit, Gott, Buddha, allgemein: das Göttliche, das höhere Selbst) tief verbunden. Das Selbst wird auf dieser Ebene sowohl individuell erlebt als auch als ein Teil eines größeren, mitfühlenden Ganzen. Jede Veränderung auf dieser Ebene hat tiefgreifende Auswirkungen auf alle – im Dilt’schen Modell – darunterliegenden Ebenen.

Im diesem Modell gibt es hier also eine Hierarchie. „Ich verändere meine Umgebung oder wirke auf sie ein mit Hilfe meines Verhaltens“, schreibt Robert Dilts dazu. „Um mein Verhalten zu verändern, muss ich auf der Ebene darüber sein: der der Fähigkeiten. Um eine Fähigkeit zu verändern, muss ich auf der nächsthöheren Ebene sein: auf der Ebene der Glaubenssätze. Und um einen Glaubenssatz zu verändern, um aus dem Einflussbereich meiner Glaubenssätze herauszukommen, so dass ich sie mir wirklich anschauen und sie verändern kann, muss ich anfangen, aus reiner Identität heraus zu operieren“ (Dilts, 2002, S. 67 f.).

Das wirkte auf uns sehr technisch und hielt zumindest in unserer Arbeit einer Überprüfung in der Praxis nicht stand. Das Problem mit Modellen über die menschliche Psyche ist, dass sie etwas in Kategorien aufteilen wollen, das sich nicht trennen lässt, sondern stets zusammen (eben: systemisch) wirkt.

Auf der Suche nach einer systemischen Darstellung haben wir in unserem Institut die Anwendung der logischen Ebenen intensiv erprobt. Die Frage, die uns dabei leitete, war: Warum können einige Klienten oder Seminarteilnehmer Veränderungen leicht vollziehen, während andere sich dabei ganz schwertun? Warum wirken die gleichen Coaching-Formate bei den einen sofort und leicht, während bei anderen mit gleicher Problemlage und gleichem Vorgehen zunächst keine Veränderung realisierbar scheint? Was ist das Geheimnis?

 

» Lektion 1: Die logischen Ebenen der Veränderung nach Robert Dilts

» Lektion 2: Die Rose der Erkenntnis – Unser neues Konzept der logischen Ebenen

» Lektion 3: Demo – Intervention mit einer Klinikärztin

» Lektion 4: Demo – Intervention mit einer HIV-positiven Frau

» Lektion 5: Die Intervention in Kurzform

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