Die Veränderung limitierender
Glaubenssätze auf der Rose der Erkenntnis

Lektion 3: Demo - Intervention mit einer Klinikärztin

Wir präsentieren dir das Protokoll der Arbeit von Ralf mit Helena, einer Ärztin. Sie glaubt, dass die räumlichen Möglichkeiten in der Klinik, in der sie arbeitet, sie daran hinderten, schwerstkranke Menschen gut zu betreuen (Glaubenssatz über die Umgebung). Aus diesem Grunde will sie einen Beratungsraum einrichten; doch sie glaubt, dabei auf den Widerstand der Klinikleitung zu stoßen.

Ralf: Dein Ziel ist also, einen Beratungsraum einzurichten. Willst du dieses Ziel näher betrachten?
Helena: Ja, das will ich.
Ralf: Dann gehe auf das Blatt „Umgebung“ und beschreibe, wo du bislang mit deinen Patienten redest. Helena betritt Blatt „Umgebung“.
Helena: Normalerweise geschieht das während der Visite im Patientenzimmer.
Ralf: Was siehst du, wenn du dir das Patientenzimmer vorstellst?
Helena: Geräte, die Patienten liegend oder sitzend im Bett, Assistenzärzte und Schwestern, die mich begleiten. Helena atmet schwer. Ralf lenkt sie in die Mitte der Rose, auf die Glaubenssätze.
Ralf: Dann gehe jetzt hierher und blicke auf das Blatt „Umgebung“. Was denkst du über den Raum, in dem du mit deinen Patienten redest?
Helena: So geht das nicht, denke ich. Ich brauche einen ruhigen Raum, ich brauche eine persönlichere Atmosphäre. Plötzlich stockt Helena und überlegt.
Helena: Nein, darum geht es gar nicht. Ich muss einfach viel ruhiger reden und mehr zuhören.
Ralf: Also geht es um die Entwicklung einer Fertigkeit? Lenkt sie auf das Blatt „Handeln“.
Ralf: Beschreibe mir, was du bisher machst.
Helena: Ich sehe den Patienten, begrüße ihn, schaue auf das Krankenblatt. Ich frage, wie sich der Patient fühlt und ob er Fragen hat. Eventuell berichtet die Schwester oder der Assistenzarzt, was seit der letzten Visite geschehen ist. Dann wende ich mich dem nächsten Patienten zu.
Ralf: Wie sprichst du zum Patienten, schaust du ihn an oder auf das Krankenblatt?
Helena: Meine Stimme klingt neutral, glaube ich, und während ich spreche, schaue ich die Person freundlich an.
Ralf: Komm in die Mitte der Rose und sage mir, was du über dieses Handeln denkst. Helena geht auf „Glaubenssätze“.
Helena: Ich muss professionell handeln, darf mich von meinen Gefühlen nicht beeinflussen lassen. Wenn ich sachlich bleibe, gebe ich meinen Patienten Sicherheit.
Ralf: Und wenn du mehr zuhörst und ruhiger redest, bist du dann so professionell, wie du es dir wünscht?
Helena: Ja.
Ralf: Gut, dann gehe jetzt auf die Blüte „Fähigkeiten / Fertigkeiten“ und beschreibe, was du da erlebst. Helena folgt, schaut auf Umgebung und Verhalten, schluckt heftig und schüttelt den Kopf.
Ralf: Komm ins Zentrum der Rose, schau auf die Blüte „Fähigkeiten / Fertigkeiten“ und sage mir, was du denkst. Helena geht in die Mitte (Glaubenssätze).
Helena: Ich kann das nicht sagen. Ich kann die Patienten doch nicht enttäuschen …
Ralf: Wenn du ruhiger redest und mehr zuhörst, enttäuscht du die Patienten?
Helena: Ja, weil die mir dann alles erzählen wollen, ihren ganzen Kummer – und dafür habe ich einfach keine Zeit!
Ralf: Du enttäuscht die Patienten, wenn du sie nicht ihre ganze Geschichte erzählen lässt?
Helena: Ja.
Ralf: Und was ist dann mit dir?
Helena: Ich habe als Ärztin versagt. Die Patienten lehnen mich dann ab. Ralf lenkt sie auf die Blüte „Werte“.
Ralf: Was ist dir in deiner Arbeit wichtig?
Helena: Dass mir die Patienten vertrauen, dass ich sie heile, dass sie mich mögen. Zurück auf „Glaubenssätze“ in die Mitte der Rose.
Ralf: Du wünscht dir, dass die Patienten dir vertrauen, dass sie dich mögen und dass du sie heilen kannst?
Helena: Ja. Auf das Blatt „Facetten der Identität“.
Ralf: Was für eine Ärztin bist du, wenn du diese Werte lebst?
Helena: Ich bin eine Ärztin, die ihre Patienten heilt, sie wertschätzt, und der die Patienten vertrauen. Helena beginnt zu weinen. Ralf holt sie in die Mitte der Rose.
Ralf: Welche Gedanken bringen dich zum Weinen?
Helena: Das, was ich will, ist unmöglich. Ich kann nicht alle Patienten heilen.
Ralf: Und bei denen, die du nicht heilen kannst, hast du versagt?
Helena: Ja. Und die Angehörigen enttäusche ich ebenfalls.
Ralf: Du enttäuscht sie?
Helena: Ja, sie hoffen doch, dass alles wieder gut wird.
Ralf: Und du bist verantwortlich dafür, dass diese Täuschung beendet wird? Verwirrung. Helena schüttelt immer wieder ihren Kopf.
Ralf lenkt sie auf das Blatt „Spiritualität“.
Helena: Nein, ich glaube gar nicht, dass sie das von mir erwarten. Sie sind enttäuscht, weil ich sie im Unklaren gelassen habe.
Ralf: Gibt es etwas, das über die Beziehung zu einem einzelnen Patienten hinausgeht, etwa eine Mission?
Helena: Ja, ich möchte die Menschen in ihrer Seele berühren, ich möchte, dass sie ihr Schicksal angstfrei annehmen können.
Ralf: Liegt das in deiner Macht?
Helena: Nein.
Ralf: Was liegt in deiner Macht?
Helena: Dass ich im Rahmen meiner ärztlichen Profession heilend wirken oder Sterbende begleiten kann. Zurück in die Mitte der Rose.
Helena: Wenn ich heilend wirke, trage ich dazu bei, dass die Menschen glücklicher leben können. Sie können angstfrei sterben, wenn ich sie liebevoll begleite.
Ralf: Spür tief ich dich hinein. Lass sich den Gedanken, dass du heilend wirkst, in dir ausbreiten.
Jetzt geh auf das Blatt „Spiritualität“ und spüre ganz tief, wie sich das für dich anfühlt. VAKOG+-Trance. Dann auf „Facetten der Identität“.
Ralf: Was bist du für eine Ärztin?
Helena: Ich bin eine kompetente Ärztin, die ihren Patienten mit Liebe und Respekt begegnet. Danach auf „Werte“.
Ralf: Ok – welche Werte lebst du, wenn du deinen Patienten mit Liebe und Respekt begegnest?
Helena: Ich bin ehrlich zu ihnen und öffne mich für sie. Ich strahle Kraft aus. Helena zeigt eine kongruente „Ja“-Physiologie. Weiter auf Fähigkeiten / Fertigkeiten.
Ralf: Über welche Fähigkeiten oder Fertigkeiten verfügst du, wenn du dich den Patienten öffnest und ehrlich und kraftvoll zu ihnen bist?
Helena: Ich kann ihnen zuhören und bin in der Lage, sie zu unterbrechen, wenn sie zu sehr abschweifen. Ich kann den Fokus des Patienten auf die Möglichkeiten lenken, die ihm trotz seiner Erkrankung zur Verfügung stehen. Und ich bin in der Lage, mit den Angehörigen klar über die Chancen und Grenzen dieses Menschen zu kommunizieren.
Ralf lenkt auf das Blütenblatt „Handeln“.
Ralf: Wie handelst du deinen Patienten gegenüber?
Helena: Ich bin freundlich, rede in kurzen, klaren Sätzen, beantworte die Fragen der Patienten und schaue ihnen dabei in die Augen. Und ich sage auch klar, wenn ich im Moment keine Zeit habe. Ralf lenkt auf das Blütenblatt „Umgebung“.
Ralf: Wo befindest du dich, wenn du so mit deinen Patienten redest?
Helena: Ich stehe im Krankenzimmer am Bett des Patienten. Wenn ich klar bin, brauche ich keinen anderen Raum. Für Gespräche, die längere Zeit in Anspruch nehmen, kann ich mein Büro nutzen. Da werde ich eine gemütliche Sitzecke einrichten lassen.
Ralf lenkt in die Mitte der Rose, auf die Glaubenssätze.
Ralf: Wie fühlst du dich dabei?
Helena: Ich fühle mich sehr gut. Ich weiß jetzt, dass es nicht um die Kommunikation und den Raum, in dem diese stattfindet, ging. Es steckt in mir, in meinem Erwartungen an mich selbst. Vor allem in dem Irrtum, ich sei nur dann eine gute Ärztin, wenn ich alle Leben rette.
Ralf: Sondern?
Helena: Ich bin dann gut, wenn ich durch meine Arbeit den Prozess so unterstütze, dass der Patient entweder weiterleben oder in Würde sterben kann. Und beides ist okay. Das sagt Helena mit fester Stimme. Dann durchschreitet sie noch einmal still die Rose und erlebt jeden der Schritte noch einmal für sich allein.

 

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