Neu: Wir sind Mitglied der Europäischen
Gesellschaft für Traumatherapie und EMDR

am 10. Juli 2020 NLP Ausbildung mit 0 Kommentaren

EMDR Europäische Gesellschaft für Traumatherapie und EMDR e. V.

perspektiven ist jetzt Mitglied der „Europäischen Gesellschaft für Traumatherapie und EMDR e. V.“ und dort als Ausbildungsinstitut gelistet. Petra und Ralf Dannemeyer sind damit als EMDR-Coaches und -Therapeuten zertifiziert. Dies fließt in unsere Ausbildungen mit ein. Welche Vorteile das für unsere Teilnehmer*innen und Coachees bringt, und wie EMDR wirkt …

  • Teil 1 – Was ist EMDR?

    Eye Movement Desensitization and Reprocessing (kurz EMDR, wörtlich auf Deutsch: Augenbewegungs-Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung), ist ursprünglich eine Behandlungsmethode für traumatisierte Menschen. Dabei wird angenommen, dass ein Trauma ein sogenanntes „sprachloses Entsetzen“ auslöst. Das heißt, dass das Erleben in Teilen des Gehirns zwar gespeichert ist und den Menschen innerlich belastet, das Sprachzentrum jedoch unterdrückt wird. Die Erinnerung an die erlebte Situation friert gewissermaßen ein; der Mensch erlebt das Geschehene immer wieder, kann es jedoch nicht so recht in Worte fassen, und damit auch nicht verarbeiten.

    Geschulte NLP-Therapeuten und -Coaches erkennen diesen Zustand eines Menschen unter anderem an der Stellung der Pupillen: Die Repräsentationen der Sinne können sich so überlappen, dass sie sich zu einem verworrenen Molekül zusammenfügen. Das ist ein Problemzustand, den wir im NLP als Synästhesie-Molekül bezeichnen. Er ist typisch für das Gefühl von Versagen und Depression. In diesem Zustand sind Erinnerungen (Ver, Aer) an Misserfolge sowie das negative Gefühl (K) – Unruhe, Ärger, Angst – vorherrschend, oder der Innere Dialog (Ad) mit einem inneren Richter, der Dinge sagt wie:

    „Du schaffst das nicht!“
    „Es hat keinen Sinn!“
    „Du bist ein Versager!“

    Der visuell-konstruierende Aspekt (Vk), mit dem Lösungen kreiert werden könnten, fehlt dagegen völlig (vgl. die folgenden Abbildungen).

    Flexible Pupillen: Alles okay

    Starrer Blick nach unten: Panik und Angst

    Bewegte Augenmuster: Die Augenzugangshinweise spiegeln die Art und Weise, wie der Mensch Informationen abruft und verarbeitet. Hier sind die Repräsentationssysteme „geordnet“: Oben visuell konstruiert und visuell erinnert, mittig auditiv konstruiert und auditiv erinnert, unten der emotionale Bereich (k für kinästhetisch) und der innere Dialog (Ad). So ist der Mensch zu klaren Gedanken fähig, kann seine Erinnerung und sein Vorstellungsvermögen nutzen, und auf dieser Grundlage handeln oder entscheiden. Starrer Blick nach unten: Die Repräsentationen der Sinne überlappen einander so, dass sie sich zu einer verworrenen Masse zusammenfügen. Das ist ein Problemzustand, den wir im NLP als Synästhesie-Molekül bezeichnen. Er ist typisch für das Gefühl von Angst, Panik, Versagen. Schnelle Augenbewegungen („Augenbewegungs-Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung“) können diesen Zustand auflösen: Der Mensch beendet den Zustand der Starre, fühlt sich zunehmend besser und kann wieder klar denken.

    Durch Bewegung seiner Hände stimuliert der Coach bestimmte Augenbewegungen. Er „winkt“ die Repräsentationssysteme gewissermaßen an ihren Platz zurück und bewirkt so eine innere Reorganisation der dysfunktional wirkenden Trauma-Erfahrung.

    Die Erfindung des EMDR wird der US-amerikanischen Literaturwissenschaftlerin und Psychologin Francine Shapiro († 16. Juni 2019) zugeschrieben. Ihren Angaben zufolge sei ihr die Idee zur Entwicklung des EMDR zufällig gekommen: Sie habe beim Spazierengehen 1987 im Park die Augen hin und her bewegt und dabei eine deutliche Entlastung von Ängsten und depressiven Gedanken erlebt. „Nachdem ich dies festgestellt hatte“, schreibt Shapiro in ihrem Buch „EMDR. Grundlagen & Praxis“ (Junfermann, 1999), „fing ich an, die Augenbewegungen absichtlich zu vollführen, während ich mich jeweils auf bestimmte belastende Gedanken und Erinnerungen konzentrierte. Auch bei diesem absichtlichen Einsatz der Augenbewegungen verschwanden die betreffenden Gedanken und verloren ihren belastenden Charakter“.

    Heute genießt die EMDR-Methode internationale wissenschaftliche Anerkennung. 2013 wurde EMDR von der WHO als eine von zwei Methoden zur Behandlung der PTBS bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen anerkannt, schreibt das „Ärzteblatt“ hier.

    Mit EMDR können wir also die Augenbewegungen auf eine neue Art stimulieren und die Emotionen wieder in ein fließendes Gleichgewicht bringen. So setzen wir auf direkter körperlicher Ebene einen intensiven Verarbeitungsprozess in Gang, bei dem der Mensch nachhaltig aus seiner innerer Erstarrung erlöst wird.

    Diese Vorgehen funktioniert jedoch nicht nur bei der therapeutischen Aufarbeitung von Traumata oder Angstzuständen, sondern auch im Ressourcen-Coaching

    • zur Kreativitätssteigerung,
    • zur positiven Selbstmotivation
    • bei Redeangst / Auftrittsangst
    • zur mentalen Vorbereitung auf Prüfungen, Konfliktgespräche oder Reden vor großem Publikum.
    • zur Leistungsverbesserung im Sport
    • zur Bewältigung von Lebenskrisen / beruflichen Krisen
    • zur Überwindung begrenzender Glaubensätze und negativer Selbstbilder
  • Teil 2 – Wie läuft ein EMDR-Coaching ab?

    Für die Anwendung des EMDR gibt es so genannte Protokolle, etwa ein Schmerz-, ein Stress oder ein Allergieprotokoll. Darin wird das Vorgehen beschrieben. Doch die Hauptwirkung erzielt der Coach oder Therapeut durch seine Fähigkeit, sich auf den Klienten und seine Themen zu kalibrieren. Da dies – der Rapport zum Mitmenschen – bereits ab dem Practitioner intensiv trainiert wird, sind NLP’ler bei der Anwendung von EMDR ganz klar im Vorteil: Sie haben bereits gelernt, was zur Nachhaltigkeit der Anwendung führt.

    Eine EMDR-Sitzung läuft nach den Protokollen in der Regel in acht Schritten ab:

    1. Informationssammlung: Herkunftsfamilie, Arbeit, soziales Netz, Gesundheit, spezifische Erfahrungen / Belastungen, die in dieser EMDR-Sitzung bearbeitet werden sollen.
    2. Vorbereitung: Erklärung des Settings, Vereinbarung eines Stopp-Signals, Installation eines sicheren Ortes (= eines Rettungsankers, oder, bei uns am perspektiven-Institut: Insel des SEINS).
    3. Bewertung des Traumas bzw. des Themas: Situation und den schlimmsten Moment erleben („Als-ob“-Verfahren, VAKOG+) und die damit verbundenen Glaubenssätze ermitteln.
    4. Desensibilisierung und Durcharbeitung in mehreren Durchgängen („Winken“ und „Klopfen“).
    5. Nach jedem Durchgang: Feststellen und Bewertung der Fortschritte und Verankerung.
    6. Körpertest (z. B. kinesiologische Testung) – der Fortschritt soll am Ende ermittelt werden.
    7. Abschlussgespräch: Was konnte gelöst werden, was ist noch auf dem Weg?
    8. Überprüfung (in der nächsten Sitzung).

     

  • Teil 3 – Kombination: EMDR & Klopfakupressur bei emotionalem Stress

    Beispiele für das Klopfen auf Meridianpunkte: Mit der Klopfakupressur wird das menschliche Energiesystem stimuliert.

    In den 1990er Jahren entwickelten Fred Gallo und Gary Craig ein Verfahren, das sie „energetische Psychologie“ nannten. Grundlage ist das in der chinesischen Akupunktur begründete Energiesystem des menschlichen Körpers. In der energetischen Psychologie werden jedoch keine Nadeln benutzt. Stattdessen denkt der Klient an schmerzhafte Erinnerungen, Ängste und Misserfolge, während er auf bestimmte Meridianpunkte klopft (Klopfakupressur).

    Damit werden das Energiesystem des Körpers aktiviert und entsprechende Selbstheilungskräfte stimuliert. Zu den Einsatzgebieten der energetischen Psychotherapie gehören Ängste und Phobien, Scham und Schuldgefühle, Traumata und schmerzliche Erinnerungen, Leistungs- und Erfolgsblockaden, Übergewicht, Suchttherapie und Beziehungsarbeit.

    EMDR und die energetische Psychotherapie werden an unserem Institut als ergänzende Verfahren eingesetzt. Wer eine qualifizierte NLP- Ausbildung (Master, Trainer, Coach) abgeschlossen hat, oder Psychotherapeut ist, kann die von uns vermittelten Grundkenntnisse gut in eine NLP-Intervention integrieren. In unserem „NLP-Master-Lehrbuch“ findest Du das Transkript einer entsprechenden Coaching-Sitzung mit unserem Klienten Paul (ab Seite 340).

    Die Akupunktur ist ein Verfahren, bei der Köperenergie dadurch verändert wird, dass bestimmte Punkte entlang der zwölf als Meridiane bekannten Hauptenergiepunkte des menschlichen Körpers mithilfe von Nadeln stimuliert werden. Sie gilt heute als anerkannte Therapiemethode für die unterschiedlichsten Erkrankungen, etwa des Magen- und Darmtraktes oder zur Schmerztherapie.

  • Teil 4 – Fallbeispiel: Ein Coaching mit Paul

    „Winke-Winke-Therapie“ nannte der „Spiegel“ einmal das EMDR-Verfahren. Und tatsächlich stimuliert die Coachin – hier Petra bei der Arbeit mit einem Klienten – durch „Winken“ die Augenbewegungen (Symbolfoto; es steht in keinem Zusammenhang mit dem beschriebenen Fall).

    Paul bereitet sich auf eine Präsentation vor den Führungskräften einer Restaurantkette vor. Wenn alles gut geht, wird der Diplom-Grafiker die gesamte Werbung des Unternehmens gestalten. Alles ist tipptopp vorbereitet. Eine Woche vor der Präsentation möchte Paul seine Entwürfe noch mal mit Sascha, einem befreundeten Grafiker, durchgehen. Plötzlich bricht in ihm ein angstvolles Chaos aus. Der Blick wandert zum Boden, die Stimme wird leiser, er hat Wortfindungsprobleme und kann seine Gedanken nicht mehr logisch sortieren.

    Verwundert fragt Sascha, was los sei. Paul ist inzwischen ganz blass und seine Hände sind feucht, als er antwortet: „Ich packe das alles nicht. Ich kann diese Leute nicht überzeugen. Das ist eine Nummer zu groß für mich!“

    Ich kann das nicht, denn das ist für mich eine Nummer zu groß – Aussagen dieser Art sollten die besondere Aufmerksamkeit des NLP-Coaches oder der NLP-Therapeutin wecken: Sie begegnen gerade einem Glaubenssatz der Hilflosigkeit: Andere können das, ich nicht.

    Glaubenssätzen dieser Art wohnt die Tendenz inne, zu selbsterfüllenden Prophezeiungen zu werden. Paul hat seinem Freund Sascha einen Glaubenssatz über Fertigkeiten / Fähigkeiten und Versagen präsentiert. Während er spricht, zeigen seine Pupillen starr nach unten. Auch später, in unserer Coachingpraxis, zeigt er bei der ersten Befragung keinerlei Augenzugangshinweise, wie sie dem NLP-Standard entsprechen.

    In einer EMDR-Sitzung, ergänzt durch intensive Glaubenssatzarbeit und Klopfakupressur, bearbeiten wir mit Paul seine Versagensangst. Er entwickelt eine neue Fähigkeit, seinen inneren Zustand positiv zu beeinflussen und übt sich in darin, mit seinen Präsentationen Gruppen zu begeistern. Und – klar: Er zieht den Auftrag an Land!