Unbewusstes Lehrer-Handeln: Warum „hübsche“

Schüler oft die besseren Noten im Zeugnis haben ...

am 7. März 2017 NLP Schule, Rapport mit 0 Kommentaren

Hübsche Schüler müssen sich für gute Noten weniger anstrengen. Das beweisen Studien, über die jetzt „Spiegel online“ berichtete. Doch das heißt nicht, dass Lehrer absichtlich ungerecht bewerten. Im „NLP-Praxisbuch für Lehrer“ zeigen wir, wie die Macht des Unbewussten die Pädagoginnen in Ungerechtigkeits-Fallen tappen lässt – und wie sie sich davor schützen können.

Hübsche Kinder finden nicht nur schneller Freunde in der Klasse, sie müssen sich im Unterricht auch weniger anstrengen, um vor den Lehrern zu bestehen. Das sagt der Soziologe Ulrich Rosar von der Universität Düsseldorf. Er untersucht die Wirkung von Attraktivität.

Ergebnis ist die Gleichung: „Schön = schlau“. Studien, die das beweisen, kommen größtenteils aus den USA und entstanden dort schon in den Siebziger- bis Neunzigerjahren. Soziologe Ulrich Rosar und sein Team haben diese Untersuchungen auf Deutschland übertragen: Unter dem Titel „Schöne Schüler, schöne Noten?“ untersuchten sie die Wirkung des Aussehens auf die Zeugnisse von Fünft- und Neuntklässlern eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen.

Anhand von Porträtfotos bewerteten zwei Dutzend Erwachsene die Attraktivität der Kinder, danach machten die Wissenschaftler Leistungstests mit den Schülern, analysierten ihre Zeugnisnoten und führten Gespräche mit den Lehrern. Und tatsächlich: Die hübscheren Schüler bekamen die besseren Bewertungen. Ausführlich berichtet darüber „Spiegel online“ hier: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/huebsche-schueler-bekommen-bessere-noten-a-1135459.html.

Die Lehrerinnen und Lehrer vergeben Noten nicht bewusst nach Schönheit. Taktgeber ist vielmehr das neuronale Belohnungssystem in ihrem Gehirn. Dieses Phänomen beschreiben wir in unserem 2015 erschienenen „NLP-Praxisbuch für Lehrer“, verbunden mit einer von uns entwickelten Methode, sich und die Schülerinnen und Schüler vor dieser Ungerechtigkeitsfalle zu schützen.

Auf dem „Persönlichkeitspentagramm“, dass einem Teppich gleich auf dem Boden liegt (siehe Abbildung) ermitteln unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer Balancen und Dysbalancen in ihrem (Berufs)leben und bearbeiten diese. Die von Soziologen erforschte Gerechtigkeitslücke „Schön = gute Note“ führt in Seminaren für Pädagogen auf das „Geschlechterfeld“. Wie, das macht eine Leseprobe aus dem Buch deutlich.

 

Leseprobe:

Auf dem Persönlichkeitspentagramm (zum Vergrößern bitte anklicken) entdecken und bearbeiten unsere Klinten Balancen und Dysbalancen in ihrem (Berufs)leben: eine Methode des Selbstmanagements auch für Lehrerinnen und Lehrer.

Das Geschlechterfeld – Wie leben Sie Mann- oder Frau-Sein?

„… das Geschlechterfeld mit seinen Polen „männlich“ und „weiblich“. Gehen Sie folgenden Fragen nach und notieren Sie wiederum die Ergebnisse. Und wundern Sie sich über das schnelle Urteil Ihres bewussten Verstandes, falls Sie sich schon während der Lektüre genervt fühlen und denken: „Was haben diese intimen Fragen in einem Handbuch für Lehrer zu suchen?“

  • Wenn Sie eine Frau sind – wie bringen Sie Ihre Weiblichkeit zum Ausdruck?
  • Wenn Sie ein Mann sind, wie bringen Sie Ihre Männlichkeit zum Ausdruck?
  • Fühlen Sie sich wohl in Ihrem Körper? Können und wollen Sie sich zeigen, so wie Sie sind?
  • Sind Sie sich bewusst, wie Sie in Ihrer Körperlichkeit auf Ihre Schülerinnen und Schüler wirken? Fühlen Sie sich dabei sicher oder eher unsicher?
  • Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Kleidung aus? Nach Zweckmäßigkeit oder um Ihre Persönlichkeit zu unterstreichen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem anderen Geschlecht gemacht?

 

Unsere Fragen sollen Sie darin unterstützen, den Fokus auf einen Bereich Ihres SELBST zu lenken, der oft nur unbewusst wirkt, obwohl ihm im Umgang mit anderen Menschen eine immense Bedeutung zukommt.

Ihre persönliche Erfahrung als Frau im Umgang mit Männern wird unbewusst Einfluss auf Ihren Umgang mit Schülern haben. Ihre Sicht auf Ihr Frau-SEIN beeinflusst unbewusst die Beziehung zu Ihren Schülerinnen. Wenn Sie zum Beispiel figurbetonte, feminine Kleidung ablehnen, wird eine Schülerin in Minirock und enger Bluse in Ihnen unbewusst eine bestimmte, vielleicht ablehnende Reaktion hervorrufen. Dafür sorgen Ihre Glaubenssätze darüber, was sich gehört und was nicht. Verbinden Sie Frau-SEIN mit Mütterlichkeit, wird sich das ebenfalls auswirken. Sie könnten zum Beispiel unbewusst überfürsorglich oder ratschlagend auf Schülerverhalten reagieren. Verbinden Sie Frau-SEIN mit Verführung und Spiel, so könnte es sein, dass sie mit älteren Schülerinnen unbewusst konkurrieren oder mit Schülern flirten.

Kommen wir zu den Männern. Ihre Sicht auf Frauen beeinflusst unbewusst die Haltung zu Ihren Schülerinnen, zum Beispiel hinsichtlich der Frage gleichwertiger Beziehungen zwischen Mann und Frau. Verbinden Sie Mann-SEIN mit körperlichen Eigenschaften wie Kraft, Ausdauer, Schlankheit? Dann werden Sie sportliche Schüler unbewusst anders sehen als den übergewichtigen und bewegungsarmen Jungen, der bei der Rumpfbeuge das Fußsohlenniveau nicht erreicht. Ob sie ihn deshalb unbewusst benachteiligen, ist damit noch nicht gesagt – doch das Risiko ist groß. Ärgern Sie sich manchmal über machohaftes Gehabe von Schülern? Verbieten Ihre Glaubenssätze Ihnen körpersprachliche Dominanz? Oder verhalten Sie sich selbst körpersprachlich dominant und reagieren unbewusst auf die Einladung jugendlicher Machos zum Hahnenkampf? Genießen Sie es manchmal unbewusst, wenn Frauen Sie anhimmeln? Wie ist es dann, wenn die 17-jährige Schülerin im sommerlich-knallengen T-Shirt Ihnen schöne Augen macht? Was fühlen Sie dann? Ist es leicht für Sie oder eher schwer, die professionelle Distanz einzuhalten? Oder hat das eventuell Einfluss auf die Beurteilung der Leistungen oder auf Ihre Toleranz gegenüber dieser Schülerin? Vergleichen Sie Ihre Stimme und Ihren Tonfall, wenn Sie dieser jungen Frau Feedback geben oder der übergewichtigen Mitschülerin mit der dicken Brille auf der Nase – gibt es da einen Unterschied? Was sind Ihre Erwartungen und Glaubenssätze über Mann-SEIN?

NLP Praxisbuch für LehrerIndem Sie diese Frage klar und schonungslos für sich beantworten, werden Sie sich Ihrer Wirkung auf Schüler und Schülerinnen bewusst. Damit schaffen Sie sich einen mentalen Selbstschutz. Sie lenken Ihre Emotionen dann bewusst, und reagieren nicht zufällig. Bitte beachten Sie: Die Betonung lag jeweils auf dem Wörtchen unbewusst. Haben Sie unsere Aussagen und Andeutungen über Lehrerinnen und Lehrer, Frauen und Männer, mit forschendem Interesse gelesen und sind Sie bei der Lektüre völlig unangestrengt dissoziiert geblieben? Oder haben Sie unsere Aussagen empört, wütend gemacht? Im ersten Fall haben Sie hier wahrscheinlich kein drängendes eigenes Thema. Danke, dass Sie trotzdem weitergelesen haben. Sie wundern sich vielleicht nur darüber, was es so alles gibt in Ihrem Beruf.

Sind Sie empört oder wütend, sollten Sie jetzt lieber eine Pause einlegen. Legen Sie das Buch für eine Nacht zur Seite, lassen Sie den anderen Verstand wirken und erkennen Sie: Es wird Zeit, dass Sie sich näher mit Ihrem Geschlechterfeld befassen. Ihre Empörung ist ein sicheres Zeichen dafür, dass eine unserer Aussagen bei Ihnen den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes betroffen, möchten sich das im Moment nur nicht eingestehen. Deshalb sind Sie vielleicht sauer auf denjenigen, der für Sie den Spiegel hält. Das ist menschlich – und Sie kennen das sicher von Ihren Schülern. (…)“

Aus: Petra und Ralf Dannemeyer, Das NLP-Praxisbuch für Lehrer, Junfermann-Verlag, 2015, Kapitel „Selbstmanagement auf dem Persönlichkeitspentagramm“, Seite 158. Klicken Sie auf das Cover, wenn Sie näheres über dieses Grundlagenwerk zur Anwendung von NLP in der Pädagogik wissen möchten.